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Vorwort Gemeindebrief

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.
Psalm 38,10
Monatsspruch Oktober

Sehnen und Seufzen können wir wegen Manchem. Hier in Psalm 38 aber ist der Anlass "meine Sünde". Sie liegt auf David wie eine schwere Last, die ihn zu Boden drückt. Sie hat ihm Wunden gerissen, die stinken und eitern - um seiner Torheit willen. Wegen ihr geht er krumm und gebückt, traurig und wie verdorrt. Sie hat seinen Leib so zugerichtet, dass nichts Gesundes mehr an ihm ist. Und darum ist er in Seufzen verfallen, darum sehnt er sich nach Heil.
Das Bild, das David hier von sich selber zeichnet, ist nicht gerade sehr schmeichelhaft. Es zeigt einen ziemlich jämmerlichen und überempfindlichen Menschen, der sich körperlich stark gehen lässt. Man möchte ihm fast zurufen: jetzt reiß sich doch mal zusammen, trag es wie ein Mann und lass dich nicht so hängen.
Wir tun das, immer wieder. Uns selbst gegenüber und auch anderen. Und liegen damit in Wahrheit ganz fürchterlich falsch. David ist nicht zum Jammerlappen mutiert, der auf dem Thron verweichlicht ist und nur mal wieder einen ordentlichen Tritt in den Hintern braucht. Einem Goliath würde er heute noch unerschrocken entgegen treten.
Aber eben, hier geht es nicht um einen menschlichen Feind. Hier geht es um Davids eigene Schuld. Und zunächst meinte er, er könnte mit ihr umgehen, wie ein Held: ignorieren, totschweigen, unterdrücken. Aber dieser 'Feind' schlägt dann an ganz anderer Stelle grausam zurück: Die Beziehung zu Gott wird plötzlich unterbrochen. Der Frieden, der das Herz ausfüllte, macht sich davon. Die Gewissheit, dass da einer ist, der mit mir ist, gerät ins Wanken. Und das macht sich alles auch bemerkbar im Auftreten. Wenn ich Gottes Gegenwart nicht mehr spüre, wenn sich mir die 'Goliaths' in den Weg stellen, werde ich unsicher. Dann kann ich nicht mehr nur auf meine Schleuder vertrauen, sondern dann werden die Spieße und Worte des Gegenübers immer bedrohlicher. Und dann muss ich kämpfen, damit ich nur ja nicht untergehe. Und dann werden mir auch die Menschen 'zum Feind', die doch eigentlich ganz auf meiner Seite stehen, dann sehe ich überall nur noch Bedrohung und fange an, gegen alles und jeden zu schlagen.
Und das hat David erlebt. Das hat ihn zerfressen, von innen her. Da, wo keine noch so scharfe Waffe hinkommt. Darum ging es ihm, wie er es in den ersten Versen des Psalms so eindrücklich beschreibt. Und darum sehnt er sich nur noch nach Gott zurück. Darum ist sein ganzes Seufzen darauf gerichtet, aus dieser Misere wieder heraus zu kommen.
Doch bevor sich das Sehnen erfüllen kann, bevor das Seufzen gestillt wird, muss noch ein Schritt erfolgen, der unerlässlich ist. Unter den Folgen der Sünde zu stöhnen, ist das eine. Das 'Leid' zu klagen, liegt nahe. Was aber unbedingt auch noch nötig ist, ist das Bekennen. Die Sünde selber muss ans Licht. Ich muss zu dem stehen, was ich falsch gemacht habe. Das folgt in Vers 19: "So bekenne ich denn meine Missetat und sorge mich wegen meiner Sünde."
Und wir kennen die Geschichte Davids, er durfte immer wieder erleben, dass Gott ihm tatsächlich vergeben hat, selbst nach seinem Ehebruch mit Batseba und dem Mord an ihrem Mann. Gerade von ihm wird das wunderbare Wort gesagt, er sei ein Mann nach dem Herzen Gottes gewesen. Obwohl dieser Bußpsalm nicht der einzige seiner Art ist, die Geschichte des Ehebruchs offenbar nicht der einzige Fehltritt auf seinem Weg.
Wie gehen wir mit unserer Sünde, mit unserer Schuld um? Versuche ich sie tot zu schweigen, da das ja im Leben eines anständigen Christen gar nicht mehr vorkommen darf? Oder versuche ich, ihr wie ein Held entgegen zu treten, weil man das nach Jahren als Christ ja schließlich irgendwie mal im Griff haben muss? Oder gebe ich zu, dass ich in Wahrheit so jämmerlich dastehe wie hier David? Und komme schließlich endlich und bekenne sie?
Dann, und nur dann, werde ich Gnade und Vergebung erleben. Dann, und nur dann, lebe ich tatsächlich als Christ, nämlich auf dem Grund des Kreuzes, das ER für mich zur Vergebung aufgerichtet hat.

Euer Karsten Stephan